Warum fühlen sich Nackthunde so warm an?

Wer zum ersten Mal einen Nackthund anfasst, hat oft denselben Eindruck: Der Hund fühlt sich ungewöhnlich warm an. Daraus entsteht schnell die Erklärung, Nackthunde hätten eine höhere Körpertemperatur als behaarte Hunde.

Doch die Hand misst keine Körperkerntemperatur. Sie nimmt wahr, wie beim Kontakt Wärme zwischen zwei Oberflächen übertragen wird. Beim behaarten Hund liegen Fell und eingeschlossene Luft zwischen Haut und Hand; beim Nackthund entsteht dagegen unmittelbarer Hautkontakt.

Warum sich Nackthunde warm anfühlen – Körpertemperatur und Wärmeübertragung erklärt

Körpertemperatur und Oberflächentemperatur sind nicht dasselbe

Der Organismus eines gesunden Hundes reguliert die Körperkerntemperatur innerhalb eines relativ engen physiologischen Bereichs. Als klinischer Bezug wird meist die rektale Temperatur verwendet, weil sie der Körperkerntemperatur wesentlich näherkommt als eine Messung an der Körperoberfläche.

Wie wenig beides gleichgesetzt werden darf, zeigte eine Untersuchung an 204 Hunden. Die Temperaturen verschiedener Körperoberflächen lagen deutlich unter der rektalen Temperatur und unterschieden sich zudem erheblich nach Messstelle. In einem Teil der Untersuchung lag die mittlere rektale Temperatur bei 38,0 °C, während beispielsweise Schnauze und Zehen im Mittel nur etwa 31,4 beziehungsweise 30,5 °C erreichten.

Die Oberfläche eines Hundes hat also nicht einfach dieselbe Temperatur wie sein Körperinneres.

Fell verändert, was an der Oberfläche messbar ist

Ein Haarkleid liegt zwischen warmer Haut und Umgebung. Zwischen den Haaren wird Luft eingeschlossen, und diese Schicht beeinflusst den Wärmetransport. Fell wirkt damit als thermische Isolation.

Wie deutlich sich das auf Messungen auswirkt, zeigt eine Thermografiestudie mit 50 gesunden Hunden verschiedener Felltypen. Kurzhaarige Hunde hatten mit durchschnittlich 31,77 °C die höchste gemessene Oberflächentemperatur. Bei langhaarigen Hunden waren es 28,14 °C, bei Hunden mit Doppelhaar 28,25 °C.

Der Unterschied betrug damit mehrere Grad.

In der Studie bestand kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen rektaler Temperatur und gemessener Oberflächentemperatur. Auch die rektale Temperatur unterschied sich nicht statistisch signifikant zwischen den Felltypen. Eine höhere Oberflächentemperatur bedeutete daher nicht, dass die betreffenden Hunde zugleich eine höhere Körperkerntemperatur hatten.

Nackthunde wurden in dieser Studie allerdings nicht als eigene Gruppe untersucht. Aus den Zahlen lässt sich deshalb keine konkrete Oberflächentemperatur für Chinese Crested, Xolo oder Perro ableiten.

Warum fühlt sich nackte Haut dann so warm an?

Beim Anfassen kommt noch etwas anderes hinzu: Unsere Hand ist kein Thermometer.

Die Temperaturempfindung beim Berühren einer Oberfläche hängt wesentlich davon ab, wie schnell Wärme zwischen Oberfläche und Haut übertragen wird. Genau deshalb können sich zwei Materialien bei identischer Ausgangstemperatur unterschiedlich warm oder kalt anfühlen. Entscheidend ist nicht nur ihre Temperatur, sondern der Wärmestrom beim Kontakt.

Beim behaarten Hund berührt die Hand zunächst überwiegend Fell. Die Haare und die darin eingeschlossene Luft bilden eine isolierende Zwischenschicht. Der unmittelbare Wärmeaustausch zwischen menschlicher Haut und Hundehaut wird dadurch gebremst.

Beim Nackthund liegt die warme Haut dagegen direkt an der Hand.

Ist die Hundehaut wärmer als die menschliche Hand, kann die Wärme beim direkten Hautkontakt ohne die isolierende Fellschicht unmittelbarer übertragen werden. Die Thermorezeptoren der menschlichen Haut registrieren die Temperaturänderung während des Kontakts. Dadurch kann sich ein Nackthund auffallend warm anfühlen.

Das ist eine reale Wahrnehmung – aber keine Messung seiner Körperkerntemperatur.

Weniger Fell, höhere Oberflächentemperatur

Eine 2026 veröffentlichte Thermografiestudie untersuchte 33 klinisch unauffällige Hunde. Kurzhaarige Hunde zeigten an mehreren Körperregionen höhere gemessene Oberflächentemperaturen als mittel- oder langhaarige Hunde. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Stichprobe klein und die Auswertung explorativ war.

Haarlose Hunde wurden auch in dieser Untersuchung nicht als eigene Gruppe ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen daher den Einfluss der Felllänge auf thermografische Messungen, erlauben aber weiterhin keine genaue Aussage über die Haut- oder Körperkerntemperatur von Nackthunden.

Übertragen auf Nackthunde ist es thermophysikalisch plausibel, dass sich der fehlende isolierende Fellanteil auf den unmittelbaren Wärmeaustausch und die gemessene Oberflächentemperatur auswirkt. Eine direkte Messung an größeren Gruppen von Chinese Crested, Xolo oder Perro ersetzt diese Übertragung jedoch nicht.

Eine belastbare Vergleichsstudie, die gleichzeitig Körperkern-, Haut- und Kontakttemperaturen bei größeren Gruppen dieser Nackthunderassen und passenden behaarten Kontrollhunden untersucht, konnten wir bei der Recherche nicht identifizieren.

Auch nackte Haut hat nicht überall dieselbe Temperatur

Selbst ohne Fell wäre „die Hauttemperatur“ keine einzelne feste Zahl.

Bei Hunden unterscheiden sich Oberflächentemperaturen nach Körperregion. Zusätzlich können Umgebung und Messbedingungen die erfassten Werte beeinflussen. Genau deshalb verlangen Untersuchungen mit Infrarotthermometrie standardisierte Bedingungen und eine ausreichende Akklimatisierung.

Das erklärt auch, warum sich derselbe Hund nicht immer gleich warm anfühlen muss.

Direkte Sonneneinstrahlung, die jeweilige Körperregion, die lokale Durchblutung und die Umgebungstemperatur können beeinflussen, wie warm eine Hautfläche ist oder gemessen wird. Aus dem Handgefühl lässt sich deshalb weder zuverlässig eine Hauttemperatur ablesen noch erkennen, ob die Körperkerntemperatur normal oder erhöht ist.

Warm anfassen ist kein Fiebertest

Damit fällt auch eine praktische Schlussfolgerung weg: Ein Nackthund, der sich besonders warm anfühlt, hat nicht automatisch Fieber.

Umgekehrt kann eine normale oder weniger warme Oberflächenwahrnehmung eine erhöhte Körperkerntemperatur nicht zuverlässig ausschließen.

Studien zum Vergleich von Oberflächen- und rektaler Temperatur zeigen zwar Zusammenhänge für bestimmte Messstellen und standardisierte Verfahren. Sie zeigen aber ebenso, dass Oberflächentemperaturen erheblich von Messort und äußeren Bedingungen abhängen. Selbst mit einem kalibrierten Infrarotthermometer ist die Oberflächentemperatur nicht einfach mit der rektalen Temperatur gleichzusetzen.

Die menschliche Hand ist noch weniger standardisiert.

Wer wissen möchte, ob ein Hund Fieber hat, braucht deshalb eine geeignete Temperaturmessung – keinen Handrücken.

Warum sich Nackthunde wärmer anfühlen – ohne Nachweis einer höheren Körperkerntemperatur

Dass sich ein Nackthund auffallend warm anfühlt, lässt sich plausibel erklären, ohne deshalb eine grundsätzlich höhere Körperkerntemperatur anzunehmen.

Fell beeinflusst den Wärmeaustausch und die an der Körperoberfläche gemessene Temperatur. Wo es fehlt, berührt die menschliche Hand unmittelbar die warme Hundehaut. Dadurch kann ein Nackthund deutlich wärmer wirken als die Felloberfläche eines behaarten Hundes.

Belastbare Vergleichsstudien, nach denen gesunde Nackthunde allein aufgrund ihrer Haarlosigkeit grundsätzlich eine höhere Körperkerntemperatur besitzen, konnten wir bei der Recherche nicht identifizieren.

Der entscheidende Unterschied bleibt deshalb: Die Hand nimmt Wärmeübertragung wahr. Sie misst keine Körperkerntemperatur.

Quellen

  • Cugmas B, Šušterič P, Ružić Gorenjec N, Plavec T. (2020): Comparison between rectal and body surface temperature in dogs by the calibrated infrared thermometer. Veterinary and Animal Science 9, 100120. Volltext
  • Kwon CJ, Brundage CM. (2019): Quantifying body surface temperature differences in canine coat types using infrared thermography. Journal of Thermal Biology 82, 18–22. PubMed
  • Hall N, Hall A, Atwood L, Petry J, Lewis MJ. (2026): Infrared thermography in clinically healthy dogs shows body region and haircoat variability. Frontiers in Veterinary Science 13, 1868785. Volltext
  • Ho HN, Jones LA. (2018): Material recognition based on thermal cues: Mechanisms and applications. Temperature 5(1), 36–55. Volltext
  • Mota-Rojas D, et al. (2021): Efficacy and Function of Feathers, Hair, and Glabrous Skin in the Thermoregulation Strategies of Domestic Animals. Animals 11(12), 3472. Volltext